Der Touran von Volkswagen – DAS Familienauto?

Der Touran von Volkswagen – DAS Familienauto?

Volkswagen ist derzeit in aller Munde. Leider oft negativ. Wieso leider? – das wird sich mancher gerade fragen. Mag der Franz dreckige Diesel? Rechtfertigt er Schummeleien und Absprachen, die aus reiner Profitgier getroffen wurden? Nein, das tut er nicht. Er will sich aber auch gar nicht anmaßen, sich ein abschließendes Urteil darüber zu erlauben, weil er viel zu wenig darüber weiß. Aber er kann sich anmaßen, sich ein Urteil über ein ganz bestimmtes Auto zu erlauben. Wir durften es nämlich ausgiebig für euch testen.
10 Tage Touran. 10 Tage Familienurlaub. Und 10 Tage Spaß.

Außen:

Da stand es nun. Wieder ein schönes neues Auto vor unserer Tür. Wieder fragten sich die Nachbarn sicherlich, was wir damit immer so machen. Und wieder war es ein außergewöhnliches Auto. Ein Touran von Volkswagen. Ein Bluemotion Technology 2,0 l TDI mit flotten 190 PS und einem DSG Doppelkupplungsgetriebe – also einer Automatik. Das Indiumgrau Metallic kommt eher lieb und unauffällig daher. Das schicksportliche R-Line-Paket hingegen lässt den Touran unheimlich bullig und aggressiv wirken. Optisch wird das Auto schnittiger und agiler und dank der Adaptiven Fahrwerksregelung DCC, die in unserem Testwagen verbaut wurde, war er auch tatsächlich wahnsinnig agil.

Der Touran wurde Anfang der 2000er Jahre zum ersten Mal gebaut. Er ist seit jeher ein klassischer Familienwagen mit großem Kofferraum, drei separaten Sitzen statt einer Rückbank im Fond und auch als 7-Sitzer erhältlich. Alles Faktoren, die seine Variabilität und Flexibilität unterstreichen.

Bei der aktuellen Generation ist es Volkswagen gelungen, etwas vom ursprünglichen Familienfahrzeug abzurücken – äußerlich jedenfalls. Man kann den Touran guten Gewissens als sportlichen Kompaktvan mit riesigem Nutzwert betrachten. Markante Linien, breit gezogener Kühlergrill und gefährlich wirkende Scheinwerfer lassen die „Familienkutsche“ einfach schicker aussehen. Das ganze wird durch die rundum verwendete LED-Technik noch unterstrichen. Hier übrigens absolute Empfehlung von mir zum LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht. Damit wird die Nacht zum Tag und das Reisen auch auf langen Strecken angenehmer gemacht.

       

Für die Kinder hinten wird hingegen der Tag zur halben Nacht, weil hier verdunkelte Scheiben verbaut sind, die bis zu 65% des einstrahlenden Lichts absorbieren.

Hinten hatten wir eine elektrische Heckklappe verbaut, was natürlich besonders für die Kinder ein Riesenspaß war. Ich persönlich könnte bei dieser Größe und dem Gewicht der Klappe noch darauf verzichten. Komfortabler ist es aber alle mal.

Die kleinen und großen Applikationen, die das Auto dank des R-Line-Paket erhält, sind das i-Tüpfelchen auf einem Fahrzeug, welches im Vergleich zum Vorgängermodell optisch massiv aufgewertet wurde.

 

Cockpit

Auch im Cockpit fiel mein Blick zuerst auf das R-Line-Logo auf dem Multifunktionslederlenkrad.

  

Das hat eine tolle Haptik und liegt bequem in der Hand. Alle wichtigen Funktionen, wie etwa Tempomat, DCC oder das Multimediasystem lassen sich bequem und intuitiv mit den Navigationstasten auf dem Lenkrad bedienen.

  

Besonders positiv fallen mir immer die Kleinigkeiten auf. Wie es der VW-Kunde seit Jahren gewohnt ist, ändert sich an den Funktionen der Hebel rechts und links des Lenkrads zunächst nichts. Die Beständigkeit und Kontinuität der verwendeten Techniken und Gadgets bei VW gefallen mir persönlich besonders gut. Denn ich kann immer wieder feststellen, dass man sich extrem schnell und einfach in jedem Fahrzeug dieses Konzerns zurechtfindet. Für jemanden, der oft Fahrzeuge wechselt, kann das eine gute Erleichterung sein. Das Armaturenbrett inklusive der Multifunktionsanzeige zwischen Tacho und Drehzahlmesser ist ebenso klar und logisch gegliedert.

Die Navigation durch die verschiedenen Menüpunkte funktioniert problemlos. Navi, Geschwindigkeit, Verkehrszeichenerkennung, Verbrauchswerte und auch die wichtigsten Angaben der Musik die man hört werden dort angezeigt. Besonders punkten konnte der Touran bei mir mit der Darstellung der Navigationshinweise. Die sind gut nachvollziehbar und sehr übersichtlich.

Schaut man dann weiter Richtung Beifahrerseite bleibt der Blick natürlich am Multimediasystem hängen – quasi am Zentrum des Innenraums.

Von hier aus kann alles bis ins kleinste Detail gesteuert werden. Musik, Navigationseingaben, Verbrauchswerte und natürlich auch Fahrzeugeinstellungen. Rückfahrkamera! Dabei kann man beispielsweise auch zwischen 4 bzw. 5 Fahrmodi wählen. Normal, Comfort, Eco, Sport oder Individual steht zur Auswahl. Entsprechend der Auswahl reagiert die Schaltung agil oder ruhig. Der ganze Bildschirm ist ein Touchscreen, so dass auch alles direkt anwählbar ist. Die Bedienung des gesamten Infotainmentsystems ist damit idiotensicher.

Auch die Bedienelemente der Klimaautomatik sind wie gewohnt platziert und einfach zu handhaben. Sowohl Fahrer und Beifahrerraum als auch der Fond können separat temperiert werden. Unterhalb dessen lassen sich mit Schnellwahltasten einige Assistenzsysteme bedienen – zum Beispiel der Parkpilot oder die Parc-Distance-Control.  Alle Tasten und Buttons sind klar verständlich bezeichnet, so dass man sofort weiß, womit man was bedienen kann. Großes Kompliment für diese benutzerfreundliche Oberfläche!

 

Dort wo normalerweise oft der Airbag verbaut ist, also direkt auf Brusthöhe des Beifahrers ist im Armaturenbrett eine Klappe verbaut, hinter welcher sich der CD-Schlitz und zwei Schnittstellen für SD-Karten befinden. Einen USB-Anschluss findet man unterhalb der Mittelkonsole neben AUX-In und 12-V-Anschluss.

Besonders auffällig und lobenswert sind die zahlreichen Ablagefächer im gesamten Innenraum und auch rund ums Cockpit. Überall, wo Platz war, setzte man ein kleines Fächlein hin. Für Kleingeld, SD-Karten, Handy, Geldbörse, Kaffeebecher, Flaschen, Parktickets, Sonnenbrillen. Alle Voraussetzungen für einen organisierten Innenraum sind gegeben, wobei es sogar noch darüber hinausgeht und diese an sich schon praktischen Fächer mit raffinierten Kleinigkeiten ausgestattet sind, die einen echten Mehrwert bieten. Damit meine ich zum Beispiel per Knopfdruck ausfahrbare Becher-/Flascheneinfassungen, so dass auch kleine Gefäße in einem größeren Fach nicht umkippen oder auch herausnehmbare Behälter, damit die Reinigung von Staufächern leichter ist.

 


Auch hier muss ich wieder feststellen: Super durchdacht und hochwertig verarbeitet.

Das gesamte Cockpit macht einen super durchfachten und hochwertige Eindruck. Neben den verschiedenen Lederelementen wurde Klavierlack und Metalloptische Elemente verwendet, die dem Innenraum eine Mischung aus Eleganz und Praktikabilität verleihen.

Innenraum

Schon wieder ist das R-Line-Paket das erste, was auffällt. Hier nun speziell die R-Line Sitze.

Daneben sind die Türen zu erwähnen. Hier hat man so etwas wie Softlack-Griffe, welche eine angenehme Haptik besitzen. Interessant wären hier Erfahrungen hinsichtlich der Langlebigkeit des verwendeten Materials. In der Vergangenheit war es darum manchmal nicht so gut bestellt. Positiv hervorzuheben sind aber hier wieder die großen Ablage- bzw. Staufächer in den Türen. Warnweste im Fahrgastraum plus 2-Liter-Flasche plus ein paar CD’s sind kein Problem. Die Fächer schlucken eine Menge Material. Besonders für Menschen, die ihren Kindern ständig irgendwas reichen oder abnehmen müssen, ist sowas Gold wert und trägt zu einer entspannten Reise bei.

Über den Köpfen ziehen sich zwei große Fächer entlang, die zur Verstauung von Sonnenbrillen oder anderen Gegenständen dieser Form und Größe dienen können. Platz für 4 oder 5 sicher verstaute Sonnenbrillen hat man definitiv.

Das Fach unter der höhen- und längsverstellbaren Mittelarmlehne ist riesig und hat einen herausnehmbaren Einsatz, womit die Entsorgung von Müll und die Reinigung des Behälters extrem erleichtert werden. Auf dem Boden des Behälters ist eine Anti-Rutsch-Gummimatte, so dass nichts klappert, selbst wenn man einen Schlüsselbund o.Ä. darin lagert.

Fond

Hinter der Armlehne sind die Bedienelemente für die Temperierung des Fonds. Und der hinteren Sitzheizungen zu finden – auch diese gut erreichbar und selbsterklärend.

Auch in den hinteren Türen fallen die Staufächer so groß aus wie vorn. Besonders für lange Reisen ist das super, da man genügend Getränke im Fahrgastraum lagern kann, ohne, dass diese im Fußraum rumkullern o.Ä. Das ist auch ein nicht zu vernachlässigender Sicherheitsaspekt. Was gut verstaut werden kann, kann nicht rumfliegen im Falle einer Vollbremsung. Und besonders als Familie hat man ja oft viele Dinge dabei.

An den Rücklehnen der Vordersitze sind ausklappbare Tische zu finden, an denen die hinteren Insassen essen oder trinken können oder etwa einen kleinen Laptop abstellen könnten.
Hier sei mal direkt erwähnt, dass der Touran nicht ausschließlich ein Familienfahrzeug ist.
Der leicht erhöhten Sitze, die gute Übersichtlichkeit und auch die hervorragende Verarbeitungsqualität sind auch gute Eigenschaften etwa für einen Vertreterwagen.

Die Beinfreiheit in der hinteren Sitzreihe ist für normalgroße Menschen zwischen 1,70 m und 1,80 m ausreichend und die drei separaten Sitze in der hinteren Reihe bieten nahezu denselben Comfort und Halt wie die Vordersitze. Hier hat man theoretisch die Möglichkeit drei Kindersitze einzubauen – das ist jedoch abhängig von den jeweiligen Sitzen. Positiv anzumerken ist hier, dass die Sitzflächen der Rücksitze nicht sehr steil geneigt sind wie etwa in vielen Kombis. Sind die Sitze stark geneigt, dann ist man bei der Wahl eines Reboarders beispielsweise stärker eingeschränkt.

 

Kofferraum

Das Angenehme am Kofferraum ist, dass dieser in seiner gesamten Größe ausgenutzt werden kann. In vielen Kombis ist man durch schräge Kofferraumklappen eingeschränkt. Im Touran hat man den großen Vorteil nach oben hin viel Platz zu haben. Besonders beim Transport von Fahr- und Läufrädern, Kinderwägen oder Ähnlichem eine wirklich tolle Sache.

Die Größe des Kofferraums hängt unter anderem davon ab, ob man einen 5 oder einen 7-Sitzer hat. Beim 7-Sitzer sind die beiden hintersten Sitze im Boden des Kofferraums versenkt.
Bei unserem 5-Sitzer hatte man den Platz, der prinzipiell erstmal für die zusätzlichen 2 Sitze vorgesehen ist als zusätzlichen Stauraum.

Auch hier sind wieder mehrere kleine Staufächer verteilt, die dafür sorgen, dass nicht alles lose im Kofferraum rumfliegt, was man so mit sich führt.

Hier fällt mir wieder auf, was mir bei Volkswagen immer wieder auffällt. Durchdachte, intelligente, kleine Lösungen. Hinten links findet man nämlich eine Kofferraumbeleuchtung, die man mit einem Klick rausnehmen und als Taschenlampe verwenden kann.

 

Fazit

Wir hatten den Touran für einen 10-tägigen Dänemarkurlaub. Und ich habe 10 Tage lang nach DEM Manko gesucht. Nach DEM Denkfehler, den die VW-Ingeneure gemacht haben. Aber ich habe ihn einfach nicht finden können. Bei den letzten Testwagen fiel immer irgendetwas auf, was besser hätte gemacht werden können.
Im Touran hingegen hatte ich das Gefühl, dass alles aufeinander abgestimmt ist. Alles funktioniert so wie es funktionieren sollte.

Den wirklich einzigen Vorwurf kann ich gar nicht Volkswagen, sondern so gut wie allen Autoherstellern machen. Nämlich, dass die Navigationssysteme vergleichsweise schlecht sind. Die Darstellung habe ich bereits gelobt, aber die Verkehrshinweise, Staumeldungen und damit verbundene Routenänderungen sind meiner Meinung nach mangelhaft, weil oft nicht wirklich aktuell. Als Vergleichsgrundlage nehme ich immer Google Maps, welches mich noch nie in einen Stau geführt hat, sondern immer rechtzeitig umlotst.

Insgesamt gesehen ist dieses Auto aber nicht nur eine Alternative für uns, sondern absolut erstrebenswert.
Und falls nun jemand sagt, dass das toll ist, aber trotzdem noch sehr viel Geld ist…

Stimmt! Aber vielleicht helfen ja die 6000€ Umweltprämie, die es derzeit noch gibt. Infos dazu findet ihr hier.

 

Ihr habt Fragen oder andere Erfahrungen mit dem Touran gemacht? Haut in die Tasten und schreibt’s in die Kommentare 🙂

 

 

 

 


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