Die Bedeutung der Opas – für mich und meine Kinder

05. März 2017 Allgemein 8
Die Bedeutung der Opas – für mich und meine Kinder

Welche Rolle spielen Opas für Kinder? Am vergangenen Wochenende war mein Vater bei uns zu Besuch.  Da er – im Gegensatz zu meiner Mutter oder meinen Schwiegereltern – etwas weiter weg wohnt, ist es nicht allzu häufig, dass er Zeit mit uns verbringen kann. Für Emil und Yuna ist das immer ein Highlight. Er ist schon der „Schwimmbad-Opa“.

Auch bedingt dadurch, dass wir so jung Eltern geworden sind, haben unsere Kinder überdurchschnittlich viele Großelternteile. Sie lernten insgesamt 3 Uropas, 2 leibliche Opas und einen Stiefopa kennen und insgesamt sechs Omas im Alter von 40-80 Jahren. Das ist ein riesen Glück, besonders, da fast alle noch echt aktiv sein können.

Besonders Yuna liebt ihre Opas mächtig kräftig. Sie hat null Berührungsängste, liebt es, zu toben und Quatsch zu machen. Sie nimmt ihre Opas an die Hand, verteilt Küsse und umarmt sie für ihr Leben gern.

Da geht einem regelmäßig das Herz auf. Es beruhigt zum einen ungemein, dass sie nicht NUR uns als Bezugs- und Vertrauensperson akzeptieren und zum anderen, dass wir unseren Eltern und Großeltern dieses wunderbare Gefühl verschaffen können. Also das klingt jetzt vielleicht blöd, aber es ist auch schön zu sehen, wie sie aufgehen, wenn sie mit den Kindern spielen.

Dabei wird mir immer wieder in Erinnerung gerufen, dass das einer nicht mehr erleben konnte.

Opas haben eine Schlüsselfunktion

Es gibt keinen Menschen, der mich mehr geprägt, mir mehr über das Leben und mich selbst beigebracht hat, als mein Opa. Unsere Häuser waren auf demselben Grundstück. Ein winziges Städtchen mitten im Wald. Mit Garten, Werkstatt, Teich, Vögel, Fische, Hunde und allem was dazu gehört. Meine Eltern arbeiteten viel, waren auch außerberuflich stark engagiert. Meine Mutter war von früh morgens um 5 bis abends halb sieben auf Arbeit – wenn die Züge pünktlich waren. Das Ganze war so möglich, weil meine Großeltern da waren. Im Grunde hatten mein Bruder und ich den Himmel auf Erden.

Mein Opa brachte mir das Fahrradfahren bei. Zusammen mauerten wir eine Natursteinmauer nach der anderen auf das Grundstück – ich glaub, da war ich 3 oder 4. Er nahm mich mit zum Brennholzmachen, baute mir eine Eisenbahnplatte, Holzgewehre für mich und meine Freunde. Wir konnten uns Material holen, um im Wald eine Bude zu bauen. Wenn ich bei meinen Großeltern übernachtete (das kam beinahe jedes Wochenende vor), ließ er mich den Freitagswestern mitgucken und am nächsten morgen kam er schon 4 Uhr früh wieder ins Wohnzimmer und hielt das Feuer am laufen, damit es im Wohnzimmer nicht kalt wurde. Jeden Tag brachte und holte er mich aus dem Kindergarten und der Grundschule.

Später dann fuhr er mich zum Fußball, holte mich ab, wenn ich am Gymnasium mal früher Schluss hatte – ja sogar zu Anna fuhr er mich.
Mein Opa war ein Vorbild für mich. Geboren und aufgewachsen im 2. Weltkrieg lernte er meine Oma kennen, als sie 15 war. Gemeinsam bauten sie sich ein Leben auf, bekamen drei Kinder.

Sie reisten durch die Welt und waren doch extrem bodenständig. Oma und Opa hatten nie viel, aber immer genug, um glücklich zu sein. Sie lernten einfach, aus wenig ganz viel zu machen und das hat er mir immer versucht beizubringen.

Als ich klein war, kümmerte er sich um mich bzw. um alle seine Kinder, Enkel und Tiere. Er war immer da, wenn man ihn brauchte und gab immer alles für die Familie.

Auch charakterlich hab ich einiges von ihm geerbt. Er mochte keine großen Menschenansammlungen. Feierte Feiern lieber im kleinen Rahmen, mit Menschen, die ihm wichtig waren. Er zog sich auch gern mal zurück, um sein Ding zu machen. Alles Sachen, die sich auch bei mir wiederfinden.

Opas können viele Dinge, die andere nicht haben oder können. Die Kinder sind viel im Kindergarten und viel bei uns.
Bei dem einen gibt es fast nur weibliche Bezugspersonen, die anderen sind recht unerfahren…

Gesundheitlich hatte er es nicht leicht. Als ich geboren wurde (1992), war er in London wegen einer komplizierten Bypass-OP am Herzen. Er litt unter starken Herz-Rhythmus-Störungen und Bluthochdruck. Es folgten zwei Schlaganfälle und nun war es an uns, ab und an für ihn da zu sein. Zuweilen kam es vor, dass er Angst hatte, wieder sowas erleben zu müssen. Natürlich hat er nicht drüber gesprochen, aber man hat es gemerkt. Dann ging es darum, ihm Ablenkung zu verschaffen. Ob gemeinsam Biathlon gucken, ihm Autoscout24 erklären, damit er sich nach einem neuen Auto umschauen kann oder ihn begleiten, um neues Vogelfutter für das nächste halbe Jahr zu besorgen.

Innerhalb der Familie gegenseitig Verantwortung übernehmen. Etwas worauf ich echt wertlege und was ich meinen Kindern so gut es geht vermitteln möchte – so wie es mir vermittelt wurde.

Was mich nun aber, wenn ich das schreibe, unendlich traurig macht…

…ist die Tatsache, dass er nicht mehr die Möglichkeit hatte, seinen ersten Urenkel kennen zu lernen. Emil kam etwa ein Jahr nach seinem Tod zur Welt. Für meine Oma, die wirklich lange und intensiv trauerte, war es ein Geschenk des Himmels. Einer geht, einer kommt.

Wenn ich jetzt Emil im Haus meiner Großeltern sehe, fehlt ein sehr wichtiger Mensch. Ein Mensch,   der mich geprägt hat und der auch jetzt Emil prägt – indirekt.

Am 23.02.17 wäre er 78 geworden. Und mittlerweile sitzen schon zwei von Emils Opas auf der Wolke und beide wären sooo wertvoll für ihn gewesen.

Für unsere Kinder kann ich nur hoffen, dass ihre Opas eine genauso wichtige Rolle spielen werden wie meine Opas es für mich sind und waren.


8 Gedanken zu “Die Bedeutung der Opas – für mich und meine Kinders”

  • 1
    Ulrike Warning am 7. März 2017 Antworten

    Es hat mich total berührt, da meine Tochter auch ganz viel von meiner Mama mit bekommen hat, es ist so schön Großelten zu haben. Ich hoffe auch mal eine liebe Oma zu werden.

  • 2
    Claudi am 7. März 2017 Antworten

    Mit Familie und unterschiedlichen Generationen aufzuwachsen und von ihnen geprägt zu sein ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte in der persönlichen Entwicklung. Leider darf mein Kleiner das nicht mehr erleben. Weder von meiner Seite noch von der Seite meines Mannes. Mein Sohn liebte seinen Uropa (meinen Opa) über alles. Ich bedaure das zu tiefst. Aber ich weiß @papa, opa, uropi ihr rockt es da oben 👼

  • 3
    Michaela am 7. März 2017 Antworten

    Hallo.
    Vorab, ich verfolge euch mittlerweile schon ca. 1 Jahr und finde euch klasse. Hab nie was kommentiert, aber hier kann ich nicht anders, denn das ist ein so tolles Thema!
    Ich bin 29 Jahre alt und Mama einer 19 Monate alten Tochter. Familie ist für mich das wichtigste (neben guten Freunden) auf der Welt. Mein Mann, meine Tochter und ich wohnen in einem großen Haus zusammen mit meinen Eltern, meinem Bruder und meinen Großeltern. Es ist selbstverständlich, dass jeder für jeden da ist.
    Und so ist es immer wieder wundervoll mit anzusehen, wie meine Großeltern (87 und 88 Jahre alt) die Zeit mit der Urenkelin genießen. Meine Tochter hat insgesamt 3 Omas, 2 Opas, 2 Uromas und 1 Uropa. Jeder für sich ist eine ganz tolle Bereicherung für meine Tochter und sie auch für alle Ur- und Großeltern. Es hat mich mit riesiger Freude erfüllt, meinen Großeltern ein Urenkelkind zu schenken. Ich freue mich über jeden Moment, den sie gemeinsam haben, denn ich weiß, es wird nicht für immer sein…

  • 4
    Karo am 7. März 2017 Antworten

    Das hast du wirklich schön geschrieben, Franz. So ein paar kleine Tränchen hatte ich schon im Auge, weil ich deine Gedanken so gut nachvollziehen kann. Mein Opa ist auch ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben. Ich würde mir wünschen, dass er seine Urenkel kennenlernt, aber von meiner Seite aus wird das wohl noch ein bisschen dauern. Meine Schwester bekommt im Sommer ihr erstes Kind und als ich die Nachricht bekommen war, waren neben meinen Glücksgefühlen und der Freude, mein erster Gedanke: Ist das toll, dass meine Großeltern das noch mitbekommen.
    Danke, dass du deine Gedanken geteilt hast.

  • 5
    Kenja K. am 8. März 2017 Antworten

    Unglaublich tolle Worte, Franz.
    Mein geliebter Opa entwickelte sich in den letzten 10 Wochen von einem ‚fitten, aber manchmal vergesslichen 77 jährigen‘ nach einem Sturz inklusive Oberschenkelhalsbruch und 2 OP’s zu einem Pflegefall mit beginnender Demenz!
    In solchen Momenten wird alles andere unwichtig.. Wir verbringen so viel zeit wie möglich und ich hin unendlich glücklich das mein Opa meine beiden Mäuse so unglaublich liebt und kennenlernen durfte!

    Liebe grüße!

  • 6
    Bylle am 8. März 2017 Antworten

    Hallo Franz,

    Sehr schön ist es, was du über deinen Großvater geschrieben hast! Du hast wirklich Glück gehabt!
    Leider kann ich es gefühlt nicht so behaupten. Zu meinen Großeltern mütterlicherseits haben wir Enkelinen ein schwieriges Verhältnis. Kulturell bedingt und wegen einer leidigen Erbstreitigkeit in der Familie. Väterlicherseits ist mein Großvater gestorben, als ich fünf war, meine Großmutter hat uns die halbe Kindheit ignoriert und die Familie meines Onkels bevorzugt, weil mein Vater eine Geschiedene geheiratet hat. Ja, am Ende des letzten Jahrhunderts.
    Wie es nun mit meinen Kindern wird, kann ich in Bezug zu ihren Großeltern nicht viel vorhersagen. Mal so gesagt: Meine Eltern sind sehr „schwierig“ zu uns gewesen, da kann ich nicht wirklich sagen, inwiefern sie vorbildlich und wichtig für meine Kinder sein werden. Und dabei rede ich nicht von Dingen wie großelterliches Verwöhnen mit Schokolade etc…

    Genießt die Zeit als Großfamilie, das sage ich als jemand, der sich genau das bei sich nicht vorstellen kann! Vielleicht aber irre ich mich in meinem Fall.
    Haltet das Glück und pflegt es! 🙂

    LG,
    Sibylle

  • 7
    Nadine am 3. Mai 2017 Antworten

    Lieber Franz, sehr schöner und tiefblickender Artikel. Ich kann deine schönen Kindheitserinnerungen so gut nachvollziehen, weil ich auch so einen wichtigen Großvater hatte.
    Leider ist dieser vor 3 Jahren gestorben und der Gedanke, dass meine jetzt 1-jährige Tochter nie seinen Gesang und seine Witze hören wird, macht mich sehr traurig. Aber viel schlimmer ist für mich, dass mein Papa eine Woche vor ihrer Geburt gestorben ist. Ein Mann, der mich so unendlich geprägt hat und der sich sehr auf die Kleine gefreut hat. Jeden Tag sehe ich sie an und denke, was für ein wundervoller Großvater ihr entgangen ist. Nicht dieses tiefe und eingeschworene Band zwischen Großvater und Enkel sehen zu dürfen, bricht mir immer wieder das Herz. Und deswegen müssen wir dankbar sein, dass wir die Chance hatten, so viele schöne und prägende Jahre mit unseren Großeltern verbringen zu dürfen.
    Alleine deswegen bereue ich es, nicht schon früher Mutter geworden zu sein…

  • 8
    Una am 25. Mai 2017 Antworten

    Uff, ist das ein schweres Thema, denn mein Vater ist nicht mehr da und noch schlimmer ist die Erinnerung daran, wie schwer, allein und plötzlich er gestorben ist. Damit kann mein Vater auch kein Opa mehr für meine Kinder sein.
    Ganz anders war es bei mir und deshalb kann und muss ich als erstes unter deinen Beitrag „Uff“ schreiben. Mein Großvater lebte in einem gemütlichen Haus inmitten eines großen Gartens. Um diesen herum streuten Felder ihre Düfte in alle Himmelsrichtungen und grenzten Wälder an deren Weizen. Ein Fluss war in der Nähe und somit allerlei Kindheitserinnerungen an Buden- und Inselbauen und mehr. Doch mein Großvater war der wichtigste Punkt in diesem Szenario. Er und ich waren eine Einheit. Er lehrte mich das Pflanzen, Säen, Pikieren, baute für mich und unternahm mit mir himmelschreiend schöne Ausflüge. Auch ihn kann ich meinem Nachwuchs nicht mehr zeigen. Einen Opa oder gar Uropa kann ich ihnen also nicht bieten. Aber eine Oma, meine Mutter.
    Warum schreibst du nur über Opas? Ist das so anders? Ein interessanter Gedanke, den ich mal mit in diesen Abend nehme. Danke dafür. Aber vielleicht schreibst du auch über die Großmütter einmal einen Text? Bestimmt wäre auch dieser berührend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.