Optimismus – Pessimismus

Optimismus – Pessimismus
Schwangerschaft Fotoshooting
Ich möchte mich heute mit etwas beschäftigen, was mir sehr am Herzen liegt.
Und zwar damit, wie sich Menschen gegenüber Menschen verhalten und was sie damit erzeugen.
Ich nahm vor kurzem an einem Seminar teil. Dort ging es um Diversität und Interkulturelle Öffnung. Die Referentin erzählte uns von der goldenen Regel. Kennen wir alle.
„Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“
„Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem andren zu.“
Nun gibt es aber noch was besseres. „Behandle jeden Menschen so, wie er behandelt werden möchte. Frage Ihn, wie er behandelt werden möchte, bevor du handelst.“
So ihre Aussage.
Klar. Das klingt sehr kompliziert und in der Realität kaum umsetzbar. Hat man doch kaum Zeit für sowas im täglichen Alltagswahnsinn?!
Doch, ich denke schon. Wir sollten uns für genau das die Zeit nehmen. Zwar „vergeuden“ wir dadurch erstmal die Zeit. Aber es hilft uns, Probleme von vornherein gar nicht entstehen zu lassen.
Ich möchte gar nicht groß auf die Flüchtlingssituation eingehen. Das hört man derzeit immer und überall.
Ich denke, dass es völlig egal ist, ob ich über Flüchtlinge rede, über Europäer oder Inuits.
Ich versuche einfach mal meine Gedanken auf Menschen zu beziehen. Einfach Menschen.
Und damit das ganze thematisch zu unserem Blog passt, versuche ich es mal auf uns zu übertragen.
Wisst ihr, als wir erfuhren, dass wir Eltern werden war das ein Schock.
Ein absoluter Schock.
Uns wurde der Boden unter den Füßen weggerissen. Wir glaubten nie wieder glücklich zu werden. Von nun an würden wir immer am Rande des Existenzminimums leben müssen. Wir essen bei den Tafeln und tragen nur noch Second Hand. Ein Leben Lang.
Ausbildung und Studium schaffen wir eh nicht. Das weiß jeder. Besonders was Anna betraf wusste einfach jeder, dass ihr Leben, ihres berufliche Laufbahn, Karriere, wie man es auch nennen mag, sofort beendet war. Ein Kind. Oh wie schrecklich.
Das waren unsere Gedanken. Ich habe geheult. Ohne Mist. Nicht, dass ich nur Angst davor hatte meine Familie nicht ernähren zu können. Ich hatte auch Angst zu den Verlierern der Gesellschaft zu gehören. Freunde zu verlieren. Und ich hatte Angst das unseren Familien zu sagen.
Sie hatten in unsere Ausbildungen investiert. Uns unterstützt und vertraut. Uns zusammen ziehen lassen. Von nun an würden es unsere Eltern bereuen, dass sie uns von Beginn an so an der langen Leine haben laufen lassen. Dass wir mit 15 beieinander schlafen durften. Was für ein Fehler.
Liebe zulassen. Oh wie schrecklich.
Dann zum Arzt, zu Beratungsstellen, zum Jobcenter, wieder zu Beratungsstellen, weil alle was völlig anderes erzählen. Und fast überall wird man angeschaut, als hätte man eine Krankheit. Als müsste man bemitleidet werden. Und das hinterlässt Wirkung.
Wahrscheinlich handelten alle Leute nach ihrer goldenen Regel. Sie versetzten sich in unsere Lage und dachten sich, dass es für sie schrecklich gewesen wäre und sie in dieser Lage Mitleid gewollt hätten. Weiß man doch nicht, wie man das alles anstellen soll.
Hätten Sie uns gefragt, wie wir behandelt werden möchten, hätten wir was anderes gesagt. Wir hätten gesagt: Hey, es ist doch überhaupt nicht schlimm. Unsere Situation hat sich geändert. Die Ansprüche werden andere. Bitte  sagt uns, was wir tun können, um das alles zu dem zu machen, was es eigentlich ist. Zu einem verdammten Wunder. Aus dem wir Glück und Hoffnung schöpfen können.
Sagt uns, dass das zu schaffen ist. Sagt uns, dass ihr uns dabei unterstützt, wenn wir Fragen haben, aber ihr uns nicht bevormundet. Sagt uns, dass wir selber Erfahrungen sammeln dürfen. Sagt uns, dass wir auf unser innerstes hören können. Dass wir uns getrost darauf verlassen können, was unser menschlicher Verstand und Instinkt uns sagt. Gebt uns Selbstvertrauen. Sagt, dass das halt vom Schicksal so gewollt ist und wir nun damit umgehen DÜRFEN. Nicht müssen.
Schwangerschaftstest positiv
Versteht ihr, was ich damit meine? Kommuniziert, dass es was gutes ist. Dass es grundsätzlich was gutes und schönes ist, ein Kind zu bekommen. Seid Optimisten.
Wisst ihr was wir zu hören gekriegt haben?

„Wie wollt ihr das denn bezahlen? Ein Kind ist so teuer.“
„Was macht ihr denn, wenn ihr euch mal trennt? Ihr müsst davon ausgehen, dass ihr nicht für immer zusammen seid.“
„Und ihr seid der Meinung ihr schafft das?“
„Ihr habt doch noch euer ganzes Leben vor euch. Wieso wollt ihr da jetzt ein Kind?“
„Wollt ihr euch nicht noch ein bisschen ausprobieren?“
„Und was ist mit eurer Ausbildung? Mit Kind kannst du das vergessen.“
„Wenn du dann erstmal ein Kind hast ist nichts mehr mit abends weggehen!“
„Wenn du dann erstmal ein Kind hast, ist nichts mehr mit Ruhe im Haus.“
„Na warte, wenn das Kind erstmal da ist. Da wirst du dich umgucken.“
„Mit Kind bist du nicht mehr flexibel. Da hast du ganz schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt.“
Das ist nur eine Auswahl. Und wenn du das immer und immer wieder zu hören kriegst, dann zweifelst du. Du zweifelst an dir und nimmst dir das zu Herzen. Du versuchst Lösungen zu finden, für total irrelevante Probleme. Du verbrauchst Zeit ohne Ende um die Gedanken zu machen, wie du dich wohl am passendsten in die Gesellschaft fügen kannst ohne auch nur irgendwen zu verärgern.
Und so entsteht kein Selbstvertrauen. Und so suchst du Hilfe. Bei Beratungsstellen, beim Jobcenter, bei Familie und Freunden. Und alle sagen: Gut, dass du da bist. Nur wir können dir helfen.
Du kannst das nicht alleine.
Und wenn du da oft genug drauf hörst, dann glaubst du daran und nicht an dich selbst.
Und dann wird es wirklich nix.
So etwas nennt man selbsterfüllende Prophezeiungen.
Bei uns hat die ganze Schose dann doch irgendwie geholfen, weil wir so genervt davon waren, von allem und jedem Ratschläge zu kriegen und von jedem abhängig zu sein, dass wir doch alles allein gemacht haben.
Und ein ganz wesentlichen Teil habt ihr, als Leser und Zuschauer, beigetragen. Ihr gabt uns Zuspruch. Rückhalt. Manchmal auch konstruktive Kritik.
Und ganz oft positive Beispiele, so dass wir sehen konnten: Hey, wir sind nicht die einzigen.
Papa mit Kindern
Wir haben unserer Verwandtschaft gesagt: Danke für eure Hilfe, aber wenn wir wissen wollen, ob unser Kind zu warm angezogen ist, dann fragen wir.
Das heißt, wir haben selbstbewusst gesagt, was wir wollen und was wir nicht wollen.
Und darauf aufbauend haben wir nun ein super Netz. Tolle Familien, die uns alles zutrauen und uns in allem unterstützen, einfach indem sie da sind. Als Notanker. Als doppelter Boden.
Wir haben gezeigt, dass wir gute Eltern sind. Haben gesunde und glückliche Kinder. Wir arbeiten beide, erbringen eine Leistung für die Gesellschaft, zahlen Steuern und können manchmal sogar Vorbild sein. Auf alle Fälle möchte ich Vorreiter sein, in dem ich die verschiedenen Erscheinungsformen von  Eltern, Hartz-IV-Empfängern, Geschäftsleuten, Flüchtlingen, Konservativen… ja einfach von Menschen anerkenne und als etwas begreife, was völlig normal ist.
Und wenn ich das mache und alle Menschen zuerst mal als das ansehe, was sie sind, dann nehme ich sie wahr und kann auf sie zu gehen. Am Ende sind beide Seiten aufeinander zu gegangen um dann gemeinsam viele große Schritte in Richtung eines gemeinsamen Ziels zu gehen.
Bitte Leute. Seid nicht so pessimistisch. Seid freundlich zu einander. Traut den Menschen was zu. Unterstützt sie, wenn sie es wollen und wie sie es wollen. Und am Ende fühlt ihr euch alle besser.
Seid optimistisch, schaut positiv nach vorne, packt mit an und konzentriert euch auf euer Ziel.
Lasst euch nicht reinreden, wenn es nicht angebracht ist.
Zieht euer Ding durch. Ihr schafft das!
– Franz –

15 Gedanken zu “Optimismus – Pessimismuss”

  • 1
    Laura Meier am 11. Oktober 2016 Antworten

    Wow, ganz toller Text! Hat mich echt zum Denken angeregt, vielen Dank!

  • 2
    Emma S am 11. Oktober 2016 Antworten

    Ein sehr berührender Text! Sehr schöne Wortwahl gefällt mir unheimlich gut. Dankeschön

  • 3
    Jana am 12. Oktober 2016 Antworten

    Danke für den tollen Text. Die Aussage der Kursleiterin habe ich mir gleich aufgeschrieben!

  • 4
    Anonym am 12. Oktober 2016 Antworten

    So wahr. Du sprichst mir/ uns aus der Seele. Toller Text.

  • 5
    Jasmin am 12. Oktober 2016 Antworten

    Das ist wirklich ein toller Text und sehr wahr. Gerade wenn man so jung Kinder bekommt, ist es bestimmt schwer, seinen eigenen Weg zu finden und sich zu sagen, dass man in der Angelegenheit einfach doch mal schneller "erwachsen" werden und seine eigenen Erfahrungen machen muss (bei vielen anderen Dingen verlässt man sich doch meist gerne noch auf den Rückhalt von der Verwandtschaft und ist froh, dass man nicht alles alleine meistern muss, aber bei den eigenen Kindern sollte man meiner Meinung nach sein eigenes Ding durchziehen).

    Diese Sätze, die du aufgelistet hast, kenne ich nur zu gut – allerdings vom Vater des Kindes. Das macht es ein bisschen schwerer, wenn man den Rückhalt vom Partner nicht hat bzw. ihn sich mühevoll erarbeiten muss – nix mit "Wir gegen den Rest der Welt, das schaffen wir schon!". Und zwar nicht nur im ersten Schockmoment, sondern fast über die gesamte Schwangerschaft hinweg.

  • 6
    frl.bird am 12. Oktober 2016 Antworten

    Oh Franz! So super geschrieben.
    Also ich sehe und halte es allgemein genau so. In jeglicher Beziehung.
    Und als du von euch erzählt hast dachte ich – danke. Wir sind 23 und 26 .. bekommen ein geplantes Wunschkind und wir bekommen trotzdem all das zu hören. Meine Ausbildung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Ob wir uns das gut überlegt hätten. Ob wir uns nicht noch etwas zeit hätten lassen können. Ob wir nicht noch ein bisschen was von unserem Leben haben wollen?
    Es klingt wie eine last wenn ich das alles immer wieder höre. Und zwischenzeitlich habe ich selbst oft gezweifelt wie klug unser plan war. Nun freue ich mich wieder vollends. Weil ich weiß, dass es für mich nichts schöneres geben kann als eine eigene familie. Mit kind. Und dabei helft auch ihr mir besonders! Mit euren Erfahrungen und alldem was ihr mitteilt. Vielen dank <3

  • 7
    Igel am 12. Oktober 2016 Antworten

    Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

  • 8
    Anonym am 12. Oktober 2016 Antworten

    Wow… mein Freund und ich stecken Mom in der gleichen Situation bin jetzt ssw 6 und wir rennen nun auch von Beratungsstelle zu Beratungsstelle… dein text war sehr berührend… danke dafür ❤

  • 9
    Anonym am 12. Oktober 2016 Antworten

    Lieber Franz, liebe Anna,

    ich verfolge euch nun schon eine lange lange Zeit. Seit Emil krabbeln geübt hat!
    Und ich muss sagen, ihr zwei mit euren Kindern seid meine großen Vorbilder. Ich bin 20 und habe einen großen Kinderwunsch. Na und???
    Wenn mein Mann und ich uns diesen Wunsch endlich erfüllen, dann hoffe ich, dass wir es auch so gut hinkriegen wie ihr beide!

    Ich bin wahnsinnig stolz auf euch und dankbar, dass ihr uns an eurem Leben teilhaben lasst und beweist, dass es eben doch zu schaffen ist.

    Danke

  • 10
    Ishi am 12. Oktober 2016 Antworten

    Ich muss den anderen vollkommen recht geben,super geschrieben und völlig auf dem Punkt gebracht.

    Als ich erfahren habe das ich schwanger bin, wusste ich das ich mein Kind ohne den Vater groß ziehen werde. Ich habe zum Glück nie solche Sachen gehört. Aber, ich glaube dadurch das ich eine abgeschlossene Ausbildung und einen Job habe hat das auch niemanden was ausgemacht. Das einzige was mir halt gefehlt hat war der Vater. Aber bis jetzt habe ich von vielen gehört das ich das schaffen werde. Dadurch das ich meine Familie habe die mich super unterstützt ❤️.

    Naja, Eigendlich will ich damit sagen – das jeder seines Glückes Schmiedes ist und sich seinen Lebensweg aufbaut wie er mag. Und keiner das Recht hat einfach da rein zu quatschen. Und wenn ihr 5 Jahren getrennt seit ( was wir natürlich nicht wollen) dann ist das auch so.. das ist die Situation die es macht und das wie ihr damit umgeht..

    Viel Glück eurer super tollen Familie

  • 11
    Sophias Lebensbaum am 13. Oktober 2016 Antworten

    Wow, Franz. Das hast du absolut passend formuliert.
    Nutze dein Talent zum schreiben, hoffentlich kann man noch mehr von dir/euch lesen. Ich freue mich 🙂

  • 12
    Miri am 13. Oktober 2016 Antworten

    Ganz toll geschrieben.
    Ihr seid eine tolle Familie. Weiter so! 🙂

  • 13
    LaNucki am 13. Oktober 2016 Antworten

    Richtig toller Text ��

    Bin selber 32 und als mein Partner und ich auch nur erwähnt haben, dass wir jetzt mit der Familienplanung beginnen möchten gab es schon ein Teil der genannten Sprüche.
    Zum Glück gibt es aber auch genügend Leute die einen bestärken, aber trotzdem lassen einen die negativen Kommentare zweifeln.

    Was euch angeht finde ich es toll, dass ihr uns einen Einblick in euer Leben gebt und bei dem was man von Euch liest und sieht finde ich es wirklich toll und beeindruckend, wie ihr EUREN Weg geht und alles wuppt.
    Und wenn ich darf, schneide ich mir davon für meine Zukunft gerne ein kleines Scheibchen ab ��

  • 14
    Anne B. am 13. Oktober 2016 Antworten

    Richtig gut, Franz!

  • 15
    Anonym am 22. Oktober 2016 Antworten

    Lieber Franz, ein wirklich sehr toller und ausserordentlich ehrlicher Bericht. Magst du nicht mal eine Art Fortsetzng schreiben? Wie ihr euch trotz aller Widrigkeiten durchgesetzt habt? Wie ihr es dann doch mit Kind geschafft habt Schule, Ausbildung und Alltag unter einen Hut zu bringen? Und dann sogar noch ein zweites Kind bekommen habt. Ich denke, dass ist auch sehr interessant zu hören, wie man sowas schaffen kann. Auch wenn alle anfangs blöd daherreden und euch keine Chance geben.

    Liebe Grüsse

    Sabine

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