Warum eigentlich (nicht)?

12. Juni 2020 Allgemein 0

Warum eigentlich (nicht)? Das ist eine Frage, die ich mir wahlweise selbst stelle oder aber von Freunden, Bekannten, Fremden gestellt bekomme. Menschen, die nichts mit Bloggen, YouTube, Instagram und so zu tun haben, verstehen diese Welt nicht, weil sie ihnen vollkommen fremd ist und eben (in deren Wahrnehmung) surreal ist. Ein Erklärungsversuch…

Für wen machen wir das eigentlich? Für uns? Für andere? Oder gar für die Kinder? Beim drüber nachdenken musste ich feststellen: Irgendwie für alle. Aber mal schön der Reihe nach:

Für uns?

Natürlich machen wir das für uns. Wir bekommen Aufmerksamkeit. Wildfremde Menschen interessieren sich für unser Leben, welches aus unserer Perspektive nichts besonderes bzw. interessantes vorzuweisen hat. Das ist schon cool irgendwie. Und dann verdient man damit auch noch Geld. Ausreichend, damit Anna keinen regulären Job mehr nebenher braucht, um über die Runden zu kommen. Wir durften viele viele Menschen kennen lernen, die wir im „normalen“ Leben wahrscheinlich nie getroffen hätten. Einige von euch schreiben uns Nachrichten, Briefe und schicken Pakete und sagen uns, dass wir eine Art Vorbild sind in der Art und Weise wie wir unser Leben als junge Familie leben.

Das alles sorgt für mehr Selbstvertrauen, einfach weil man Zuspruch erhält. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass wir über diese Kanäle Zuspruch erhalten haben, den wir so im „Reallife“ nicht oder nur wenig bekamen. YouTube gibt uns die Möglichkeit uns selbst darzustellen und damit genug zu sein. So wie wir sind, werden wir von so vielen von euch anerkannt und akzeptiert. Das tut einfach gut. Das werden wir im echten Leben von Freunden und Familien auch. Aber dort spielen so viele andere Faktoren eine Rolle. Ihr seht uns einfach ganz objektiv – ohne große Vorerfahrungen mit uns, begleitet uns teilweise aber schon seit mehr als 5 Jahren und seid mit uns gewachsen und habt uns auf eine ganz andere Art und Weise kennen gelernt.

Zum anderen ist es eine tolle Möglichkeit, sich selbst nicht nur darzustellen, sondern auch zu verwirklichen. Ich kann hier meine Gedanken rausposaunen und es interessiert Menschen, es berührt Menschen und es inspiriert Menschen. Das gibt uns ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, dadurch, dass man so viel Feedback bekommt. Gleichzeitig lernt man so viele Menschen und deren krasse Biographien, Wünsche und Träume kennen und man lernt: anders ist normal und normal ist anders.

Nie war es so, dass wir den Schritt in die Öffentlichkeit bewusst gegangen sind, um damit Geld zu verdienen oder so. Anna tat es damals einfach so aus Lust und langer Weile. Vor mehr als 5 Jahren. Franz stieg irgendwann einfach mit ein, weil er irgendwie Spaß daran fand. Es hat sogar ziemlich lang gedauert, bis wir überhaupt rafften, dass  man damit Geld verdienen kann.

Bis heute ist nicht das Geld das entscheidende, sondern das, was zusätzlich dabei rum kommt. Nämlich Anerkennung und Respekt. So dass wir wissen, dass die Wege die wir gehen in Ordnung sind. Denn genau das haben wir nicht gewusst als wir uns für unsere Ausbildungen entschieden oder dafür, dass wir unser erstes ungeplantes Kind behalten. Natürlich gab es Zuspruch von Familie und Freunden. Aber die doofen Blicke, die zweideutigen Fragen und das unangenehme Gefühl, wenn man sagte, dass man bereits mit 20 (und Aussehen wie 14) ein Kind hat, das war ständig präsent. Wir fühlten uns einfach anders. Jetzt wissen wir, dass wir weder allein noch sonderbar sind.

Für Andere?

JA! Wir machen das auch für andere. Denn der Grund, wieso wir uns anders fühlten, als Sonderfall und damit als nicht anerkannt und respektiert war der folgende. Normal ist für Menschen das, was sie in ihrem Alltag sehen, hören, wahrnehmen. Junge Menschen, die Eltern werden, ohne Ausbildung, ohne Studium fanden in den Kreisen, in denen wir uns bewegten einfach nicht statt. Da kannte man (wir auch) solche Fälle nur von RTL 2 oder von den „Assis“, die im Block am Stadtrand wohnten. Dementsprechend war es nicht normal, weil einfach fremd. Und das führte dazu, dass auch wir uns sofort am untersten Rand der Gesellschaft wähnten, als wir erfuhren, ein Kind zu bekommen. Unsere Zukunft schien vorgezeichnet und wir haben uns die verschiedenen Vorurteile, denen wir uns ausgesetzt sahen in unserem Handeln zu Eigen gemacht.

Ich habe die Schwangerschaft oft verschwiegen, weil ich nicht abgestempelt werden wollte. Ich habe nicht mit Stolz davon gesprochen, bald Papa zu sein. Ich habe nicht selbstbewusst gesagt: „War eigentlich anders geplant – aber so ist das Leben und jetzt rocken wir es halt eben in umgekehrter Reihenfolge“. Wenn der Müll runter musste, habe ich meine Jogginghose gegen eine Jeans getauscht und mir ein schickes Poloshirt angezogen, damit gar nicht erst der Verdacht aufkommt, dass ich als junger Vater aus dem Plattenbau eventuell nicht selbst für mein Kind sorgen könne. Kurz: Ich stand einfach nicht zu mir und meinem Leben. Und warum? Weil ich eine sehr eingeschränkte Weltsicht hatte. Alles was von Gymnasium-Abitur-Studium-Karriere-Haus-Baum-Kind abwich, war für mich weder erstrebenswert noch in irgendeiner Weise überhaupt akzeptabel.

Mit unserer Webpräsenz wollen wir zeigen, dass es anders geht. Wir können hier sein, wer wir sind und zeigen, dass wir gut sind, so wie wir sind. Und damit sagen wir auch, dass jeder andere sein kann, wie er ist. Weil eben auch alles andere Bullshit ist.

Die Welt ist vielfältig, weil die Menschen vielfältig sind. Unter anderem weil sie so viele unterschiedliche Lebenskonzepte haben und verfolgen. Weil sie unterschiedliche Wertvorstellungen haben und unterschiedliche Meinungen vertreten. Diese Vielfalt ist einfach da und diese Vielfalt soll auch überall präsent sein. Und wenn wir mit unserem kleinen Kanal einen Beitrag dazu leisten können, den Horizont der Zuschauer zu erweitern, dann bin ich glücklich.

Wir machen einige Dinge anders, als sie die Masse machen würde. Aber wisst ihr was? Wege sind da, weil sie irgendwann mal von jemandem gegangen wurden. Sprich: Nicht drüber nachdenken, was andere über dich sagen werden, sondern einfach machen und mit gutem Beispiel vorangehen.

Für die Kinder?

Ja jetzt wird’s kritisch. ich sage: Ja. Wir tun das auch für die Kinder. Nämlich indem wir Ihnen vorleben, dass das Leben nicht immer so spielt, wie man es selbst gern möchte. Dass es aber deswegen nicht schlecht ist. Dass man aus allen Situationen im Leben immer das Positive ziehen sollte. Mama hat eines ihrer Hobbies zum Beruf gemacht – und das ist in Ordnung. Papa macht das, was in vielen Familien eigentlich die Mama macht – und das ist in Ordnung. Mama und Papa sind authentisch und versuchen einfach ihr Leben selbst zu gestalten und zeigen das Menschen, die sich dafür interessieren.

Und ganz oft sitzen sogar die Kleinen schon da und schauen sich ein Fotobuch an oder sogar ein Video auf YouTube, in dem sie sich selbst dabei beobachten können, wie sie eine Anleitung zum Backen geben. Ich find das cool 😉

Was denkt ihr darüber?


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